Taufstein

Taufstein mit Gemeindewappen und Hans Sch├╝tz

Auszug aus einem Schriftst├╝ck aus dem Zeitraum 1900 (genaues Jahr ist leider nicht ├╝berliefert) mit dem Titel „Das Wappen der bernischen Familie Sch├╝tz“, sign. mit K. G. S

In der Kirche von Reutigen im Stokental (Kt. Bern) steht der Taufstein, dessen Stifterschild wir hier bringen als kleinen Beitrag zu bernischen Burger-Wappen des XV. Jahrh. und gleichzeitig als bisher, unseres Wissens, nicht beachteten heraldischen Belegs f├╝r urkundlich schon fr├╝her Bekanntes.

Dieser Schild tr├Ągt das Zeichen der bernischen Familie Sch├╝tz und geh├Ârt wohl dem Hans Sch├╝tz an, einer um die Mitte des XV. Jahrh. in Bern geachteten und wohl bekannten Pers├Ânlichkeit: Von 1435 bis 1480 sass er fast ununterbrochen im grossen Rat, mehrmals auch w├Ąhrend dieser Zeit im kleinen Rat; von 1458 – 1462 war er Salzherr, 1449 – 1454 amtete er neben Th├╝ring v. Ringoltingen als Kirchenpfleger und f├╝hrte in dieser Zeit das St. Vinzenen-Schuldbuch. Der einfache „Gr├Ąmper“ war unterdessen zum beg├╝terten Handelsmann geworden, der es sich nun auch nicht nehmen lassen wollte, seinen privaten Teil zu dem offiziell seiner Pflege anvertrauten Werke der Ausschm├╝ckung und Vollendung des St. Vinzenenbaus beizutragen.

1448 bis 1449 wurde der St. Gregor-Altar, seine Stiftung, im M├╝nster errichtet. Die Kapelle entbehrt heute jeglichen Schmuckes aus der Zeit ihrer Entstehung, bis auf den einfachen Schild als Abschluss des Gew├Âlbes, das in kr├Ąftiger Modellierung, heute grau in grau, das Zeichen des Stifters und seiner Frau enth├Ąlt; wahrscheinlich ist das letztere auf seine zweite Frau Barbara Dreyer zu beziehen.

Dem Beispiel hervortretender Zeitgenossen folgend, suchte denn auch Hans Sch├╝tz durch Erwerbung von Herrschaftsrechten seine angesehene politische und oekonomische Stellung nach aussen zu dokumentieren: 1472 erwarb er durch Kauf die Herrschaft Stocken, und 1478 von Heinrich von Bannmoos die H├Ąlfte der Herrschaftsrechte von Reutigen, die dann sp├Ąterhin aber erst nach seinem ca. 1482 erfolgten Tode, an die Stadt Bern kamen. Hans Sch├╝tz war also noch Mitherr von Reutigen, als im Jahre 1480 dasselbe von Wimmis getrennt und zu einer eigenen Kirchgemeinde erhoben wurde, Anlass genug dazu, dass sich der Herrschaftsherr durch Stiftung eines neuen Taufsteines in der Kirche ein Denkmal setzte (siehe Bild).

Erhalten ist uns auch sein Siegel, das an einer Urkunde von 1461 im Fache „Schuldschriften“ im bern. Staatsarchiv h├Ąngt. Ausser in diesem Siegel, dem Schlussstein der St. Gregorskapelle und dem Taufstein in Reutigen fand sich das Wappen nirgends; nach den Resten von Bemalung am Stifterschild in Reutigen zu schliessen, stund das Zeichen golden im blauen Feld. Von bernischen Wappenb├╝chern bringt, soweit wir sehen, keines den Schild. Die Familie „Sch├╝tz“, mit dem Vermerk „ausgestorben“, f├╝hrt allenthalben in Blau eine goldene Armbrust. Sind es dieselben „Sch├╝tzen“? Ist die Wappen├Ąnderung allm├Ąhlich, unwillk├╝rlich, durch falsches Ablesen des vielleicht undeutlich erhaltenen Hauszeichens entstanden? Oder ist das Wappen wirklich gebessert worden?